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Amsterdam Apartment Project 1988 - 90

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Mai 1988: Installation einer in der Mainstreamarchitektur üblichen Apartmenttüre, funktional mit Klingel und Türschloss.
Ort: Hauseingangsbereich (eines ehemaligen vor der Jahrhundertwende erbauten Kinderklosters) bis 1992 Sitz der öffentlichen Bibliothek und des Grafikdepartments der Rijksakademie van beeldende Kunsten, an der Stadthouderskade 110, Amsterdam. Im Rahmen der "open ateliers" im Mai 1988, wurde das A.A.P. mit dieser Skulptur ("go into a apartment"), erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ute Janssen arbeitete während der Ausstellungszeit einige Wochen als Portiersvertretung in der hinter der Skulptur unmittelbar anschließenden Portiersloge. Hier bot sich die Möglichkeit, ihre für das Projekt entwickelten Vorhaben öffentlich zu diskutieren und durch den Kauf der A.A.P-Kunstaktie (Preis: 25 Gulden), das Projekt finanziell zu ermöglichen.
Mit dem Erwerb dieser Kunstaktie ehielt der Aktieninhaber eine Option auf die zum Projekt entstehende Dokumentation.

 

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Juni1988: Eröffnung des A.A.P- Materialshowrooms an der Riksakademiev.B. Kunsten. Laufende Präsentation der A.A.P.- Materialsammlung (Modelle, Objekte. Grafik, Zeichnungen, Video, Skulptur). Ideen und Erfahrungen  in der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Projekt werden in einem A.A.P-copybook, vermerkt.( siehe Auszüge)

 

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April 1989: Erste Realisation von insgesamt sechs ausgewählten Entwürfen der A.A.P.- Materialsammlung (Möbilierung des Apartments: Leinwandstoff, darunter Möbel für Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer, 5 Plastikeimer mit Chlor angefüllt, aktuelle italienische Zeitungen), in einem angemieteten Apartment an der Uedgendwarstraat 14. in der Innenstadt von Amsterdam.

An die anonyme Wohnungstüre wurde ein Türgriff angebracht, der durch eine Gravur mit speziellen Projektdaten, wie Ort, Name und Datum, gekennzeichnet ist. Das Aparment ist während der gesamten Projektzeit für die Öffentlichkeit zugänglich. Zu den jeweiligen Rauminstallationen entstanden die A.A.P-videoworks die Teil des Gesamtwerkes sind und anläßlich der Ausstellungseröffnungen auf dem Amsterdamer Kulturkabelsender Rabotnik TV gesendet wurden.

 

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Januar 1990: Präsentation der A.A.P.-Dokumentation im Koffer und sechs Wandobjekten, Titel: twelve apostle and a virgin", im Atelier Stadhoderskade 110, Rijksakademie v.b. Kunsten

 
 

Projektbeschreibung von Ann Vance, Rijksakademie v.b. Kunsten, Amsterdam 1990

Aus dem Umfeld von industriell gefertigten Grebrauchsgegenständen und Matarialien die Materialfehler aufwiesen und aus diesem Grunde in die Abfallcontainer verschiedener Dienstleister wanderten, sammelte Ute Janssen Gegenstände und Materialien, die sie für Ihr zwischen 1988 - 90 realisiertes A.A.Projekt, wieder neu verwendete.

So entstanden eine Reihe von Rauminstallationen und Skulpturen die temporär an authentischen Orten ausgestellt wurden. Das A.A.Projekt der Künstlerin ist seiner Idee nach als Instrument und Werkzeug gedacht, daß einen Dialog zwischen Innen und Aussen, Privaten und Öffentlichen, Gedanklichen und Sinnlichen herstellt. Es reflektiert am Beispiel authentischer Orte (funktionales Apartment im Stil heutiger Mainstreamarchitektur) und unter Verwendung verschiedener Medien und Materialien, Aspekte einer vom Menschen geschaffenen, antiornamentalen Umgebung und damit im weitesten Sinne ihren Einfluß auf unsere heutige Existenz.
Dabei ist das ausgesuchte Apartment Teil eines Gebäudes, wie das Gebäude selbst ein Teil der Stadt und der Landschaft mit ihren Menschen ist. Durch das Nebeneinander des medialen und authentischen Materials in den jeweils varierenden raumbezogenen Installationen und Skulpturen ist ein Kunstwerk entstanden, daß eine zeitbezogene, kompakte Erzählstruktur schafft. Die Verbindung von konzeptuellen und von sinnlich Wahrnehmbaren ist dabei ein wesentlicher Aspekt dieses Vorhabens. Das A.A.P. ist experimentell, sowie Wissenschaft experimentell ist, aber es verleiht seinen Experimenten eine eigene Sicht über das poetische,sinnliche,fiktive, reale und theatrale in unserer Umgebung.

Das Werk ist vergleichbar einer Komposition die, die Mitte hält zwischen Maschine, Architektur, Ornament, Science Fiktion und Realität. Es ist im wesentlichen Ausdruck eines Sensibilitätszustandes als auch Mitteilungsträger eines Gedankens. Ein Experiment das dazu dient, die konkrete Objektwirklichkeit zu transzendieren, weiterentwickeln und zu vertiefen. Ausgangspunkt ist dabei die Frage nach der Lebensqualität im privaten als auch im öffentlichen Raum und seinen Formen in der es sich darstellen und diskutieren läßt. Die Frage nach der normativen Verbindlichkeit antiornamentaler Ausschmückung wie es in der Moderne üblich ist betrifft auch das Selbstverständnis gegenwärtiger Kultur im Kern.

Angesichts der vieldeutigen ästhetischen und sozialen Potentiale, die sich in den antiornamental gestalteten "Rändern und Gewändern" unserer Zeit verbergen ein sinnvolles Anliegen. Bleiben auch manche Beiträge des Projektes zu skizzenhaft, so zeichnet das Werk doch insgesamt aus, daß es die festgefahrenen Muster hinterfragt und transparent macht.
Der damit gewonnene Abstand gegenüber der kühlen Funktionalität relativiert zugleich die dahinterstehenden Entwürfe der Moderne. Hierbei legt die Künstlerin besonderes Gewicht auf die Feststellung, daß nicht die in strenger Schmucklosigkeit daherkommende Vorstellung der Moderne von einem rational-aufgeklärten Leben das entscheidende Problem bedeutet, sondern die Verwechslung von technischer Zweckmäßigkeit mit aufgeklärter Vernunft. Janssen`s Vorgehen ist dabei nicht begrifflich argumentierend, sie versucht ins Phänomen mit komplexen Bildern einzutauchen, spielt mit psychoanalytischen und filmischen Zitaten, manchmal bis zum theatralen.

Entscheidend ist, daß sie bei ihren Tauchgängen den ihr dargebotenen Phänomenen weder ausweicht noch verfällt, ihre Einsichten und Formulierungen vermitteln jedoch eine Lust der anteilnehmenden Erkenntnis. Um die Eigenart und Qualität des Projektes über die Realisation hinaus weiterzugeben ist eine Dokumentation (Video,Objekte, Fotografien, Zeichnungen, Xerographien, Drucke) entstanden, die Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung des Gesamtwerkes ist. Ann Vance

 
 

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